Coverage zur 10. deutschen Visual FoxPro Entwicklerkonferenz 2003

von Hans-Otto Lochmann und Armin Neudert

Die deutsche Visual FoxPro Entwicklerkonferenz wird von der deutschsprachigen FoxPro User Group organisiert. Seit 1994 ist diese Konferenz in Deutschland, Österreich und der Schweiz das Hauptereignis für Visual FoxPro. 2003 feierte sie ihren 10. Geburtstag – wie immer am Anfang November und dieses Mal zum ersten Mal mit der Universal Thread Online Coverage. Nachfolgend der ins Deutsche übersetzte Bericht:

Der Tag Zero

Hallo! Wir befinden uns in Frankfurt/Deutschland und warten darauf, dass die deutsche FoxPro Entwicklerkonferenz anfängt. Wie in der Vergangenheit werden wir unseren Bericht mit einer kurzen Beschreibung des Ortes Frankfurt anfangen, wo dieses Ereignis statt findet.

Die Stadt Frankfurt

Frankfurt am Main liegt im Flusstal des Mains zwischen den bergigen Gebieten des Spessart und des Taunus und ist heutzutage eines der wichtigsten Finanz- und Handelszentren in Europa.

Die Ursprünge von Frankfurt liegen weit in der Vergangenheit. Im frühen Mittelalter (794) wurde Frankfurt das erste Mal in einem Dokument erwähnt. Die Region muss allerdings schon länger bewohnt gewesen sein. Der Name besteht aus zwei Teilen: Furt’ bedeutet eine Flussüberquerung und Frank’ kommt von Franken’. Die Franken waren eine eng verwandte Gruppe von teutonischen Stämmen, die entlang des Rheintales, des Maintales und weiter im Westen lebten. Im frühen Mittelalter (500-800) bildeten die Franken das mächtigste Reich in Zentraleuropa. Heute gibt es eine Region in Deutschland, die Franken genannt wird und die im nordöstlichen Teil von Bayern liegt. Das Reich der Franken existiert immer noch: Die Deutschen nennen es Frankreich, englisch sprechende Menschen einfach France’.

Da Frankfurt im Mittelpunkt all dieser Gebiete liegt, wurde es ein Handelsplatz und ein lokaler Wirtschaftsraum. Wahrscheinlich ist es nicht allgemein bekannt, aber bereits im 4. Jahrhundert n. Chr. wurde der Sonntag zum Ruhetag der Christen bestimmt, womit sich sofort ein neues Problem ergab: Was sollte man mit dem restlichen Tag anfangen, wenn man erst einmal die heilige Messe in der Kirche am Sonntagmorgen hinter sich gebracht hatte? Nun – wenn es genügend Händler in der Stadt gibt... . So begannen diese Menschen in Frankfurt nach der heiligen Messe Geschäfte zu machen, die – jeder war zu der damaligen Zeit Katholik – kurzerhand auch Messen’ genannt wurden. Das Wort Messe’ wurde dann auch auf diese Händlerzusammenkünfte ausgedehnt. Diese zweite Bedeutung des Wortes Messe überlebte in der deutschen Sprache bis heute: Handelsausstellungen oder –messen werden immer noch Messe’ genannt. Übrigens wurden diese Märkte in Frankfurt 1150 zum ersten mal in alten jüdischen Quellen erwähnt.

Vom Mittelalter bis heute blieb Frankfurt ein Welthandelsplatz (in der Online-Version zeigt das nächste Bild die Frankfurter Börse). Es gibt jährlich mehrere internationale Ausstellungen. Wahrscheinlich am bekanntesten sind die Buchmesse und die Internationale Automobil Ausstellung IAA. Diese und andere Ausstellungen locken jährlich ungefähr 2,5 Millionen Besucher und 37.000 Aussteller aus allen Ländern der Welt in die Stadt.

Mainhattan

Was wäre der Handel ohne Banken? In Frankfurt gibt es heute ca. 460 Banken (davon 130 ausländische) und die viertgrößte Börse der Welt. Diese Institutionen kontrollieren einen wesentlichen Teil des Währungsfonds in Europa. Die europäische Zentralbank hatte ihren Sitz in Frankfurt, als 1998 der Euro eingeführt wurde. Aufgrund der vielen Banken hat Frankfurt fast so viele Beschäftigte (590.000 Arbeitsplätze) wie Einwohner (650.000). Das bedeutet natürlich auch viel Berufsverkehr jeden Morgen und jeden Abend in und um Frankfurt herum. Der Frankfurter Flughafen ist einer der meistfrequentierten Drehscheiben Europas: alle zwei Minuten starten und landen Flugzeuge – jeden Tag, das ganze Jahr hindurch.

Bank und Handel brauchen Häuser. Weil Banker eher zurückgezogene Menschen sind und lieber unter sich bleiben wollen, bauten sie ihre Häuser eng zusammen, was bedeutet, dass sie Hochhäuser errichteten. Die heutige Skyline Frankfurts ist in Europa ziemlich einzigartig. Ca. 80 große Bankgebäude und Geschäftshäuser überragen die Stadtmitte. Die höchsten sind der Commerzbanktower (258m) und der Trianon der Deutschen Bank mit seinen zwei Türmen, Soll und Haben’ genannt. In vielen Gebäuden gibt es Besucherplattformen, von denen man einen unvergesslichen Blick über die Stadt hat.

Auch andere Industrien haben ihren Sitz in dieser Gegend. Es gibt über 2.500 High-Tech-Firmen in und um Frankfurt herum, die Güter herstellen und Dienstleistungen anbieten. 65 der 500 größten europäischen Firmen (gemessen am Umsatz) haben ihren Sitz im Einzugsgebiet von Frankfurt am Main.

Irgendjemand konnte es sich nicht verkneifen, Frankfurt Downtown als Mainhattan’ zu bezeichnen – mit einem verschmitzten Lächeln in den Augen.

Johann Wolfgang von Goethe

Man kann nicht über Frankfurt sprechen, ohne einen der größten Söhne dieser Stadt zu erwähnen: Johann Wolfgang von Goethe. Er wurde 1749 geboren. Er begann sein Jurastudium in Leipzig, musste dies aber aufgrund einer schweren Krankheit unterbrechen. Wieder genesen führte er sein Studium in Straßburg fort und beendete es dort 1771. Auf Einladung von Herzog Carl August reiste er nach Weimar, wo er 1776 als Mitglied der örtlichen Regierung arbeitete, bis er 1832 starb. Wie vermutlich auch heute noch bei Beamten üblich, konnte seine tägliche Arbeitsbelastung nicht besonders groß gewesen sein, wenn man bedenkt, was er nebenbei sonst noch alles erreichte:

-Er wurde ein erfolgreicher Dichter, dessen Werke immer noch weltweit gelesen werden: ein Wissenschaftler fand heraus, dass er den größten Wortschatz benutzte, den je ein Dichter vor oder nach ihm verwendete (das moderne Technologiegeschwafel selbstverständlich ausgenommen...)
- Er war ein erfolgreicher Bonvivant und Frauenliebhaber mit vielen realen und erfundenen Abenteuern, die von ihm oder anderen erzählt wurden.
-Er war ein erfolgreicher Leiter des lokalen Theaters, das in ganz Deutschland berühmt wurde.
- Er war ein für die damalige Zeit sehr erfolgreicher Wissenschaftler. Beispielsweise beeinflusst ein wesentliches Element seiner Farbentheorien, alle Farben aus drei Grundkomponenten zusammenzusetzen, heute noch die Darstellung der Farben (RGB). Sein Sammeln und Analysieren von Mineralien setzte lange noch danach Trends in gut bürgerlichen Kreisen, die ebenfalls Mineraliensammlungen als Freizeitbeschäftigung pflegten.

Zwei Städte bewahren seinen Ruhm: Frankfurt und Weimar. Beide benannten Plätze und Straßen nach ihm. In Frankfurt wurde auch die Universität nach ihm benannt. Goethes Geburtshaus wurde im zweiten Weltkrieg zerstört, danach sorgfältig wieder aufgebaut und ist besser erhalten als je zuvor (sozusagen noch originaler...). Man kann es gegen Eintrittsgebühr besichtigen und dort die Spuren dieses genialen Mannes bewundern.